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Das Caligula-Syndrom (2)

* Eine Geschichte von BeautifulExperience *



Ich weiß noch, wie ich den Traum zum allererstenmal träumte. Die Wochen davor waren wie in Zeitlupe vergangen, und ich hasste dieses Leben eines Toten, der nichts weiter tat, als sich nach seinem scheiß Bürojob im Supermarkt das Futter zu besorgen, das er abends in seinem stickigen Käfig verzehrte. Es kotzte mich dermaßen an, dass ich Atemnot bekam, wenn ich beim Betreten der Wohnung nicht gleich alle Fenster aufriss. Ich schaute aus dem Wohnzimmerfenster zu den Bergen, und ich versuchte mir vorzustellen, mit einem Atemzug zu den Wipfeln der Tannen zu fliegen, um mich wie ein Vogel vom Wind wiegen und in den Schlaf schaukeln lassen zu können. Eine Windbö strich mir durchs Haar, und das Rascheln am Boden lenkte meinen Blick auf den Balkon. Im ersten Augenblick sah es wie etwas Lebendiges aus, und ich erschrak, als es sich wenige Zentimeter auf mich zu bewegte. Es war ein zerfleddertes Taschenbuch. Ich öffnete die Balkontür und hob es auf, und ich las einfach genau dort, wo es vom Wind aufgeschlagen worden war:

Ich kann dich schon spüren, bevor ich ankomme. Deine Angst reizt mich, und ich kann meine Gier kaum unterdrücken.
Doch ich habe gelernt, zu warten, und so bewege ich mich im Schutz der Schatten, die mich begleiten.
Es ist fast so, als könnte ich dein Blut sehen.

Schon einmal bin ich dir begegnet.
Dieses Mal wird es das letzte Mal sein.

Du glaubst, mich wie einen Fisch ködern zu können mit deiner Angst.
Doch ich bestimme, wann ich zubeiße und dich zerreiße.


Auf deinen nächsten Zug warte ich nicht.
Ich durchschlage deine Deckung schneller, als du es erwartest, und tauche wie aus dem Nichts vor dir auf.

Gedankenimpuls und Handlung sind eins, als ich dir mit dem Daumennagel die Kehle auftrenne, und ich triumphiere bei dem Anblick der Überraschung in deinen Augen. Mein Geist erreicht deinen im gleichen Augenblick, als ich zu trinken beginne, und bevor du die Wunde schließen kannst, habe ich die Kontrolle über deinen sterbenden Körper übernommen.



Meine Kehle wurde trocken, und ich musste unwillkürlich schlucken. Meine Augen überflogen die Zeilen, und ein kalter Schauder überlief meinen Rücken. Ich stand auf dem Balkon, während sich dunkle Wolken über mir zusammenbrauten und der Wind immer stärker wurde. Doch selbst als die ersten Regentropfen fielen, bekam ich es kaum mit, war viel zu sehr in den Worten versunken, die mich auf beunruhigende Weise faszinierten und mir sowohl Angst einjagten als auch eine morbide Befriedigung verschafften:

Als meine Identität mit allem hergestellt ist, wird die Aktion des anderen Teils von mir zu einem bloßen Gefühl innerhalb einer ganzen Welt von Gefühlen, und ich kann es fast genießen, getrunken zu werden.
Die Schreie der Menschen, die uns beobachten, nehme ich nur am Rande wahr, doch auch sie spielen nur die ihnen zugedachte Rolle.

„Hattest du schon einmal einen Traum, Neo, der dir vollkommen real schien?
Was wäre, wenn du aus diesem Traum nicht mehr aufwachst?
Woher würdest du wissen, was Traum ist und was Realität?“



beautifulexp:

Es ist ein überwältigend schönes Gefühl, mich mit den Fingern in deinen Hals zu wühlen und meinen Mund auf das pulsierende Fleisch zu pressen.
Ich kann nicht verhindern, dass mir ein Teil deines Blutes entgeht und sich auf den Asphalt der Brücke ergießt.
Ich trinke mit aller Gier, zu der ich fähig bin, und genieße das Entsetzen der Menschen um uns herum als pure Energie, die mich noch leidenschaftlicher vorgehen lässt. Ich beiße mich an deiner geöffneten Halsschlagader fest und empfinde fast so etwas wie sexuelle Erregung, während dein Leben in mich übergeht und mir Substanz verleiht. Dein Blut ist warm und klebrig an meinen Händen, und in meiner Kehle brennt es wie Feuer.
Ich fühle, wie mein Körper die Schatten hinter sich lässt und mit jedem Zug, den ich nehme, materieller wird, und das Glück, das ich empfinde, lässt mir die Tränen in die Augen steigen.

Einen Moment lang löse ich meine Lippen von dir und sehe mich um: Da stehen sie mit weitgeöffneten Mündern und können nicht begreifen, was sie sehen. Entsetzen hat sie gelähmt, und das Adrenalin in ihren Körpern lässt die meisten schreien anstatt zu flüchten. Das Zucken deines Körpers wird langsam schwächer und ich fühle, welche Angst ihnen dieser Anblick des herannahenden Todes bereitet.
Eine Sekunde überlege ich, ob du mir genug sein wirst, so gierig macht mich dieses panische Gefühl der Menge.
Ich kann mich nicht entscheiden, ob mir der Blick über die Alster oder der Anblick des
Rathauses besser gefällt, und ich berausche mich an meinem eigenen Lachen. Ich liebe Hamburg!

So lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet!
Deine Augen sagen mir, dass du keinen allzu langen Weg mehr vor dir hast, und fast
empfinde ich so etwas wie Mitleid mit dir.
Dann beuge ich mich vor, um nicht allzu viel zu verschwenden.

Als ich spüre, wie du mich nun liebevoll umarmst, wird mir eiskalt.


iwishuheavende:

Ich weiß nicht, ob ich aus diesem Traum noch einmal aufwachen werde, doch mir ist bewusst, dass die Wirklichkeit in diesem Moment flüssig ist wie heißes Wachs in meinen Händen.
Ich habe lange darauf gewartet, diesen Körper hinter mir lassen zu können, und der Preis, den ich dafür zahle, ist angemessen.

Die anfänglichen Schmerzen halten sich schnell in Grenzen, nachdem ich den ersten Schock dieses plötzlichen, von animalischer Gier bestimmten Angriffs überwunden habe. Als mir dein Geist begegnet, überlasse ich dir die Kontrolle über meinen Körper.
Während ich ausatme, tauche ich tief in dich ein, durchstoße die Schatten und umgehe all deine Verteidigungslinien, lasse meinen Geist mit dem Blut in dich einströmen, das dir zunehmend Substanz verleiht.
Ich kann gar nicht anders, als dich zu lieben.



Als ich aufblickte, war nicht nur die Geschichte zuende, sondern auch das Tageslicht war bis auf ein Minimum reduziert, so dass ich nach drinnen gehen musste, wenn ich in dem Buch weiterlesen wollte. Ich fror, doch gleichzeitig spürte ich eine innere Hitze, die ich mir nicht erklären konnte und die wie pure Energie durch mein Adersystem pulsierte. Ich hörte mich laut lachen und ging nach drinnen. Ich machte mir ein Sandwich, und nachdem ich gegessen hatte, las ich die Geschichte ein zweites und ein drittes Mal.

in the flow
16.3.06 08:16
 


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