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Zirkuskind

* Eine Geschichte von BeautifulExperience *

Inspiriert von lausanne made me jump

Für Lia


"I've repeated this dance at nauseum
There's still something to learn that I've not
I'm told to see this as divine perfection..."

Alanis Morissette, It's a Bitch to Grow Up





Sie hatte die Ausstrahlung eines wilden Zigeunermädchens, und ich konnte kaum glauben, sie in diesem kleinen Zirkusrund zu sehen. Es war ein Familienzirkus, und die Ränge waren bestenfalls halb gefüllt. Ihre Nummer mit dem weißen Pony belustigte mich anfangs: sie mit nackten Füßen auf dem Rücken des Tieres stehen zu sehen, so konzentriert im Gesicht, und dann mit weit gespreizten Beinen über den Kopf des Ponys abspringen, mit einem so strahlenden Lächeln, dass es unfassbar schien, im Gegensatz zu der so ernsthaften Konzentration kurz zuvor. Und dann stand sie fest auf dem Boden der Arena, verbeugte sich, und der Applaus brandete auf, fast so, als wären die Ränge nicht zur Hälfte, sondern ganz gefüllt. Dann endete die Vorstellung, denn ihre Nummer war die Letzte, ein Tribut an die zahlreichen Kinder im Rund der Manege, die oft noch nach vorne kamen und das Pony des Zigeunermädchens streicheln durften.
Der Zirkus hatte sechs große Vorstellungen die Woche, und er blieb vier Monate lang in unserem kleinen Städtchen. Ab und zu fiel mir das Schild "Ausverkauft!" an den Aufgängen ins Zelt auf, und mit etwas Wehmut betrachtete ich diese Erinnerung an bessere Zeiten.
Die Vorstellung lief stets gleich ab; es gab keine Überraschungen. Aber sämtliche Auftritte geschahen in Perfektion, und mehr und mehr schien alles auf die Nummer des Mädchens hinauszulaufen. Wie sie da stand auf dem Rücken des kleinen Pferdes, die Arme zur Balance seitlich ausgestreckt, auf ihrer einen Runde unter den Blicken der Zuschauer in der immer nur halb gefüllten Arena, und dann der immer gleiche perfekte Sprung über den Kopf des Ponys - dieser Sprung, bei dem sie einen winzigen Augenblick in der Luft zu hängen schien wie im Standbild eines Films, bis jeder vollkommen unter dem Eindruck dieses unglaublichen Lächelns stand. Und dann traf sie auf mit geschlossenen Füßen, stand fest und sicher, und sie verbeugte sich in alle Richtungen, stets dreimal, und nahm den verdienten Applaus entgegen, der immer ohrenbetäubend war, und auch ich ertappte mich dabei, mit den Füßen zu trampeln.
Auch ich ging diesmal nach vorne wie die Kinder, um das Pony zu streicheln, ich wollte Zirkusluft schnuppern und ganz nahe dran sein, wenn die Kleinen dem Mädchen ihre neugierigen Fragen stellten. Zuerst hörte ich ihr unverkennbares Lachen, ein so ungekünsteltes Kinderlachen, dass ich es niemals vergessen werde, aber davor noch war ihre Antwort, die mir erst im Nachhinein bewusst wurde, weil sie so wenig Sinn für mich ergab:
"Ja, sie halten mich fest mit ihren Blicken, und ich kann gar nicht fallen!"
Und von da an sah ich ganz genau hin.

Es konnte eine Täuschung sein, aber sie schien wirklich einen Augenblick mit weit gespreizten Beinen in der Luft zu stehen, ganz toter Mann unter Wasser, wie unter Wasser, aber ihre Haare flogen, und alles bewegte sich im Rund der Manege, die Gesichter der Menschen fingen ihr Lachen auf und lachten mit wie in Zeitlupe, manchmal wie in Zeitlupe, ja - die Zeit schien ehrfürchtig innezuhalten bei ihrem Sprung. Und dann traf sie auf, der Staub wirbelte zu ihren nackten Füßen auf, und sie stand fest und still, und ich konnte nicht anders als klatschen und trampeln und atemlos sein.

Ich konnte nicht anders als mich wundern, während der Clown das Schild "Ausverkauft!" an den Treppenaufgang stellte, und ich wollte ihn fragen, aber das Gedränge und der Lärm, alles war zu groß und zu viel, und als die Sonne hinter mir und ich im Halbdunkel des Zelts war, da war es berstend gefüllt bis auf den letzten Platz und dann wieder halb leer, und ich rieb mir die Augen und konnte meinen Platz nicht finden, weil alles besetzt war. Doch die Stimme des Platzanweisers war beruhigend wie immer, als er mit weit ausholender Geste bei einer angedeuteten Verbeugung auf die leeren Ränge zur Linken zeigte und mich mit seinen silbernen Augen, in denen sich das Sonnenlicht spiegelte, scheinbar unendlich lange anschaute: "Nur herein spaziert! Hier finden alle ihren Platz, und keiner muss draußen bleiben!"
Aber diesmal beruhigte mich seine Stimme nicht, mir war kalt, und ich wusste, ich hatte viele Fragen, und ich würde mir meine Fragen gut merken müssen, um nicht eine zu vergessen, während sich die Ränge vor meinen Augen mit Menschen leerten und füllten, leerten und füllten, und ich würde dem Zigeunermädchen meine Fragen stellen, wenn ich diesmal nahe genug an sie heran kam: Wie lange ist euer Zirkus schon hier, sag es mir, und wie lange bin ich im Zirkus?
Aber vor allem werde ich diesmal ganz genau hinsehen, ja. Ich werde sie nicht aus den Augen lassen, und ich werde ihr Lächeln zu begreifen versuchen, wenn sie festen Stand hat und sich vor den Sichtbaren und den Unsichtbaren verbeugt, und dann werde ich sie vielleicht fragen, auf welche Seite ich gehöre, falls mich mein Mut nicht verlässt.
Ich sehe mich nach links und nach rechts um, und die Arena ist so viel größer, als ich gedacht habe.
Das Pony des Mädchens aber ist weiß. Es ist weiß! Ich bin sicher.
Ich kann ihren Auftritt kaum abwarten.
31.5.08 19:25


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Hexengeschichten

Initiation zu Neun Leben:

Sie bewegten sich in der Vielzahl ihrer Körper kreischend und fauchend in einem wahnsinnigen Kreis um ihn herum. Alles tanzte vor seinen Augen. Es war, als ob etwas Gewaltiges den Raum krümmte.

**

aus: Neun Leben

* Eine Geschichte von BeautifulExperience *



Neun Leben wird mehr als eine Katzengeschichte sein, aber ja - es ist eine Geschichte über Katzen. Es ist eine Geschichte über unberechenbare, vollkommen freie Wesen, eine Geschichte über große und kleine Zicken, ihren Zauber und ihre schier grenzenlose Macht.
Dass diese Geschichte überhaupt ins Leben gerufen werden kann, habe ich Sandra, Silvia, Steffi und vor allem Bérénice zu verdanken, die mir einiges über Katzen erzählt haben:


Hi Bo!

Du willst was über Katzen erfahren? Hmm, ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Meine zwei sind ja eher von der etwas uneleganteren Sorte dieser schönen Tiere :-)). Aber ich versuchs trotzdem. Zuerst mal was über das äussere Verhalten. Katzen sind gerne draussen. Man sollte sie nicht einsperren. Viele Katzen sind eher nachtaktiv, tagsüber schlafen sie in der warmen Sonne oder auf einem Kissen. Natürlich kommt das auch auf die Jahreszeit drauf an. Unsere gehen im Winter selten raus und schlafen Tag und Nacht. Katzen verwenden viel Zeit -mehr oder weniger erfolgreich- mit ihrer Körperpflege. Man kann ihnen manchmal eine halbe Stunde oder länger beim Putzen zuschauen. Diese Arbeit verrichten sie mit einer beispielslosen Eleganz. Hast du schon einmal eine Katze gesehen, die sich mit den Pfoten ihr Gesicht wäscht? So etwas Süsses gibt es kein zweites Mal :-).
Die meisten Katzen spielen auch sehr gerne. Sie springen zum Beispiel ihrem eigenen Schwanz nach (jaja, ich weiss schon, was du jetzt wieder denkst *g*). Da der Schwanz meistens etwas zu kurz ist, erwischen sie ihn nie richtig. Lustig zum Anschauen. Allerdings soll es Katzen geben (nicht meine, nein!) die sich bei diesem Spiel machmal so fest in den Schwanz beissen, dass es ihnen weh tut. Tja, auch Katzen sind nicht vor Dummheit geschützt. Ja, das ist eigentlich der Tagesablauf einer Katze. Viel schlafen, um die Häuser ziehen, ein bisschen spielen und natürlich fressen. Es ist unglaublich, wie Verfressen manche Katzen sein können.
Wie Katzen mit anderen Katzen umgehen, ist unterschiedlich. Manche sind sehr sozial, andere hingegen sind die absoluten Einzelgänger. Ich nehme an, dass kommt drauf an, wie sie ihre Jugend verbracht haben. Schon seltsam, wie ähnlich sie den Menschen sind.
Nun zu dem Nicht-Sehbaren. Allerdings kann ich das nur auf mich beziehen, da ich nicht weiss, wie andere das auffassen. Ich habe das Gefühl, dass meine Katzen es spüren, wenn ich traurig bin. Sie lassen dann fast immer alles mit sich machen. Manchmal kommen sie dann auch von alleine und drücken sich ganz eng an mich. Normalerweise fangen sie dann immer irgendwie zu beissen an, aber unter solchen Umständen sind sie ganz ruhig.
Manche Katzen sind auch sonst sehr kuschelfreudig. Ich bin mit meiner einen auch schon Rücken an Rücken geschlafen. Oder sie hatte auch schon mal ihr Gesicht in meiner Halsbeuge.
Katzen können sehr eifersüchtig sein. Versuch mal ein Buch zu lesen, wenn sie gerne gestreichelt werden möchte. Die lässt einem keine Ruhe mehr, am besten liegt sie auf das Buch, damit man ja nichts mehr sehen kann.
Katzen sind sehr eigensinnig. Man sollte möglichst immer das tun, was sie wollen, und zwar nur dann, wenn sie es wollen. Ansonsten gibt es schnell eine blutige Hand. Die meisten Katzen haben sehr scharfe Krallen, die Zähne hingegen tun weniger weh. Allerdings möchte ich mich nicht von einer richtig beissen lassen, da ein Katzenbiss grossen Schaden anrichten kann. Auch beim Spielen sollte man immer drauf achten, dass der Kopf nicht zu nahe bei ihr ist. Selbst wenn man den Katzen voll und ganz vertraut kann sich immer eine Kralle irgendwo einhängen.
Katzen sind sehr treu und sie lernen schnell, wer es gut mit ihnen meint. Unsere möchte ich nie mehr hergeben, um keinen Preis.

So, dass ist alles, was mir jetzt auf die Schnelle eingefallen ist. Wenn du fragen hast, frag nur.

Liebe Grüsse auch an Tanja und Annette!
Sandra



Silvia hat mir aus ihrer Erinnerung erzählt:

hallo bo,

katzen sind in der tat bemerkenswert und ich hatte von jeher einen faible für sie.
jede für sich ist eine persönlichkeit. mein großvater hatte auf seinem hof immer katzen, also bin ich von kindesbeinen mit ihnen vertraut.
es gibt die wilden, wahre kleine tiger... ich erinnere mich da an "max"- ich taufte ihn so damals, weil er schon als kleiner knirps ein unbändiger schelm war. später wurde er ein riesiges hofexemplar, daß in der gesamten ortschaft wegen seiner wildheit gefürchtet war. ständig war er in irgendwelche raufereien verwickelt, hatte unzählige narben, bald nur noch 1,5 ohren... doch ich durfte ihn stets anfassen, ihn kraulen.das hat mich mit großem stolz erfüllt von ihm derart auserwählt zu sein, denn alle anderen... da wurde er sehr schnell ausgesprochen rabiat, und es gab so manche tränen wegen ihm.

andere wieder sind ware berührungsjunkies- wie z.b die alte lady die meine schwester hat. egal wer kommt, sie rennt hin, fletzt sich auf den schoß und macht richtig terror wenn man aufhört sie zu kraulen.

ach, ich hätte so manche geschichte zu erzählen- aber dann sprenge ich wieder die comment-funktion *lach*
sag bescheid, wenn ich dir was dazu mailen soll.



Steffi über ihre Favoriten unter den Tieren:

Katzen sind meine Lieblingstiere und wenn unsere Wohnung nicht im 2.Stock wäre und somit ein Raus lassen fast unmöglich ist, würde ich mir sofort ein besorgen! Als ich noch zu Hause bei meiner Mutter lebte, hatte ich bzw. unsere Famile einen Kater und ich liebe ihn über alles! Er ist total verschmust und aufgeweckt. Er kann von einer sekunde auf die nächste von einer Schmusekatz zu einem Jäger mutieren... Er hat sich sehr an unser Leben gewöhnt und wenn etwas nicht dem normalen Tagesablauf entspricht, fühlt er sich unwohl und fragt sich was denn da los ist... Wir haben ihm sogar beigebracht, oder besser gesagt, er hat es akzeptiert, dass wenn wir auf dem Balkon pfeiffen, dass es dann nach Hause kommen soll wenn er draussen ist. Natürlich kommt er nicht immer, denn er kommt dan nach Hause wenn er will, aber er weiss dann, dass die Tür offen ist und er die Möglichkeit hat nun zurück in die Warme Stube zu kommen.
Lg



Bérénice, die Hüterin ihrer kleinen Armee des Schreckens, noch im Januar:

@Bo: Oke. Oke. Katzen! Katzen? Ich habe drei Katzen zu Hause. Die eine ist Bon, die liebe ich über alles. Für die empfinde ich Liebe. Und nichts anderes. Selbst wenn sie nachts unter meiner Bettdecke rumkriecht und mich fast zerfetzt mit ihren Krallen mitten in der Nacht, kann ich ihr nicht böse sein. Ich habe sie großgezogen, ich habe ihr beigestanden, als sie Kinder bekam... aber eben, heute, kam sie mir ganz kurz unheimlich fremd vor. Da hatte ich sie auf dem Arm. Und sah ihr in die Augen. Und da fragte ich mich, was sie eigentlich für ein Vieh ist. Dass ich eigentlich kaum was von ihr weiß.
Und meine andere Katze... die ist einfach etwas zu dumm. Dumm und schreit immer. Meistens nervt sie mich. Aber ich kenne sie. Ich kannte schon ihre Mutter. Ich kannte sie schon, als sie noch im Bauch von der war... der Kater ist auch etwas langsam, aber an ihm rührt mich etwas... ganz seltsam... er kommt mir immer so traurig vor. Er kann sooo traurig gucken. Ansonsten ähnelt er eher einem uraltem Hund als einem zweijährigen Kater.
Ich weiß nicht, woran es liegt, dass mir diese Tiere nicht fremd sind. So viele Menschen können nichts mit ihnen anfangen. Aber ich kenne sie seit ich klein bin. Habe sie immer sehr vermenschlicht, für mich. Ich meine die erste Katze war für mich ein Schwesternersatz. Ich verstand sie einfach. Sie war sehr bescheiden. Das war alles. Bösartig oder hinterhältig fand ich meine Katzen nie. Katzen haben Charaktere wie Menschen - so unterschiedlich. Ich habe meine Katzen erzogen. Habe sie behandelt, wie ich gerne behandelt worden wäre. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Ich bin auch viel zu müde, gehe jetzt schlafen.
Stell deine Frage genauer, wenn irgendwas unklar ist, ich hab jetz auch net besonder nachgedacht, was ich geschrieben habe.



Und jetzt gestern, gestern schreibt Bérénice mir alles, was ich noch fühlen musste:

Katzendrama
Die ewig lange Geschichte meiner Katzen.

Ich werde viel erzählen. Aber wenig sagen über Katzen. Ich denke trotzdem, du wirst einiges Verstehen.

Das erste, was ich tue, wenn ich morgens aufwache und mich aus dem Bett gequält habe, noch bevor ich meinen viel zu starken Kaffee koche und duschen gehe, ist, meine Bon ins Haus zu lassen. Sie sitzt mit weit aufgerissenen Augen vor der Tür und guckt durch das kleine Fenster rein… ich drehe den Kopf nach rechts, wenn ich am unteren Treppenabsatz ankomme und jedes Mal sehe ich ihre Augen, die das Licht auf diese unheimliche Art und Weise reflektieren. Oh, wie ich diese Horrorviecher liebe! (Was nicht letztendlich daran liegt, dass ich hundertpro im vorletzten Jahrhundert noch im Nachbardorf als Hexe verbrannt worden wäre.) Ab der Sekunde, in der ich die Tür öffne, heftet sich Bon an meine Fersen. Sie folgt mir in die Küche. Sieht mir zu, wie ich Kaffee aufsetze. Dazu springt sie am besten auf einen der Küchenstühle, denn dann hat sie eine bessere Übersicht. (Will sie von mir gestreichelt werden, reibt sie ihren Kopf an der Stuhllehne und simuliert den Milchtritt. Es ist krass und irgendwie krank, wenn sie sich so „selbst streichelt“ und kommt irgendwie einer Art Selbstbefriedigung nahe. LOL. manchmal muss ich so lachen darüber, aber dann ist sie beleidigt und zockelt davon.)
Sie folgt mir die Treppe hinauf zum Bad und wartet da vor der Tür, bis ich wieder hinauskomme. Dieses Spiel führt sie beliebig fort. Sie wartet vor jeder Zimmertür. Und wenn sie unbedingt zu mir will, beginnt sie an der Tür zu kratzen und so lange zu maunzen (ja, richtig miauen kann sie leider aus irgendeinem Grund nicht), bis irgendjemand oder ich ihr ihren Willen genehmigen. In meinem Zimmer liegt sie meistens in der einen Ecke meines Sofas. Sie kriecht auch gerne unter meinem Bett herum. Dort hat sie auch einmal ihre Jungen hingebracht. Da bin ich mitten in der Nacht aufgewacht, weil die Kleinen so geschrieen haben. Sie hatte sie aus dem Korb alle einzeln unter mein Bett gebracht und die armen kleinen Knäuel sind da rum gekrochen und haben nach irgendwas Warmen zum Ankuscheln gesucht, denn darauf waren sie ja angewiesen. (Unter dem Bett meines Bruders hat sie übrigens die Kinder geboren. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem sie die Treppe hinab kam, auf einmal so dünn und mit verklebtem Fell. Und unter dem Bett meines Bruders lag dann dieser Haufen, als wir die Matratze anhoben. Ein Haufen kleiner Babys. Drei graue und ein rotes. Das rote quer über den anderen. Waren die süß!) Ich kroch in dieser Nacht vor fast zwei Jahren selbst unter mein Bett und sammelte sie alle wieder ein. Wie weich und zerbrechlich sie sich doch anfühlten! Konnten gerade ihre kleinen Köpfchen geradehalten und ihre Milchbäuchlein über den Boden schleifen. Aber noch mal zu Bon an sich: Wenn ich sie auf den Arm nehme, legt sie ihre beiden Pfoten auf meine Schultern und drückt ihren Kopf unter mein Kinn und gegen meine Kehle. Dann gräbt sie ihre Krallen in meine Schultern. Ihre Pföten (sie hat „Pföten“, keine Pfoten, so ist das halt) sind so wunderbar! Sie hat eine schwarze Pföte und eine orange.^^ Und sie schnurrt so toll. Bon hört auf mich. Sie läuft von jedem Menschen weg, wenn nur ich komme und nach ihr rufe. Wenn uns jemand beim Schmusen zuguckt, dann schüttelt derjenige meist den Kopf und meint, das Bon einfach keine Katze sei. So wie sie sich an mich klammert. Ein Baby sei sie. Aber nachdem sie ihre Kinder geboren hatte war sie gar nicht mehr so ein Baby. Da war sie auf einmal erwachsener als ich.
Mit den Kindern war das so ein Theater! Als Bons Kinder gerade eine Woche alt waren, bekam auch ihre Schwester Jovi ihre Kinder. Morgens, kurz bevor wir in die Schule mussten, sprang sie in das Bett meines kleinen Bruders. Und der rief: „BEEERE! Bei der Jovi guckt so was Komisches dahinten raus!“ Ich lief hin. „UH! Das ist ein Baby!“ Jovi sprang in großer Panik zu Bon in den Korb (wir hatten ihre Kinder erfolgreich in mein Zimmer umsiedeln können) und hatte wohl vor, genau dort ihre Babys zu bekommen. Na gut. Kurt, Zorro, die kleine depressive Martin (LOL) und Momo wurden in einen anderen Korb gebracht. Bon lief wild maunzend durch die Gegend und verstand gar nichts mehr. Wir mussten in die Schule. Als wir nach Hause kamen, rannten wir natürlich sofort hoch in mein Zimmer. Unsere Mutter kam mit, sie hatte auch noch nicht in den Korb geguckt. Eines der Babys war tot. Katzenbabys haben alle eine eigene Fruchtblase, das hindert die übrigen am Ersticken, wenn das erste Kind geboren wird. Die Fruchtblase des ersten Babys war also geplatzt und es war schon ein Stück herausgekommen, aber Jovi hatte es einfach nicht weiter rausgepresst, weil sie sich kein Nest gesucht hatte und nicht wusste, wo sie ihre Babys kriegen soll. So war das erste Kind einfach erstickt. Sie hatte es tot geboren. Abgeschleckt. Aber es war tot geblieben. Und wir fanden es in der hinteren Ecke des Korbes. Schon abgeschoben. Die drei anderen saugten putzmunter an den Zitzen ihrer Mami. Und die blinzelte uns nun zufrieden zu. Ich war etwas wütend, weil sie so dumm gewesen war. Aber sie ist eine Katze. So was kann man ihr nicht vorwerfen. Das Baby warf meine Mutter in die Biotonne. Sie wollte nicht, dass ich „eine Beziehung zu ihm entwickelte“ und es im Garten neben Kassandra vergrub. Es sei ja traurig genug, meinte sie. Aber ich sehe noch manchmal den kleinen Körper vor mir, wie sie ihn mir dem Handtuch hoch hebt… und frage mich immer, ob es vielleicht noch gelebt hat und nur tief und fest schlief. Ob sie es vielleicht lebendig in die Mülltonne geworfen hatte und wir sein Miauen nicht mehr hörten… Katzen haben doch neun Leben? Oder waren es sieben? Und es war nicht einmal wenige Stunden alt und sollte sie schon allesamt verwirkt haben?
Jovis drei Kinder waren kräftiger als die vier von ihrer Schwester Bon. Sie waren fast schon dick. Und keuchten die ganze Zeit so komisch. Ich machte mir Sorgen, ob sie vielleicht Asthma hätten und ging mit Pity (Englisch: Mitleid) zur Tierärztin. (Im Wartezimmer dachten alle, ich hätte ein Meerschweinchen in meinem Korb. Als sie das kleine Katzenbaby sahen, waren sie ganz begeistert.) Die Ärztin mir mit, dass es gut sein könne, dass sie einfach bisschen zu dick seien und darum so keuchten. Aber wir kamen später hinter das Geheimnis: Diese kleinen Zicken FAUCHTEN. Sie waren zwei Wochen alt und fauchten uns an! Mit ihren runden Öhrchen und den kleinen tiefblauen Augen… diese winzigen Möchtegern-Tiger versuchten, uns zu drohen! Das war so süß, dass ich gleich wieder darüber lachen musste.
Die Babystube zog nach unten ins Wohnzimmer um, weil Bons Babys, obwohl sie genau so groß waren wie Jovis, bereits zu laufen anfingen und mein Zimmer einfach zu klein war. Es begann der Kindertausch. Mal krochen Kurt und Co zu Pity und seinen Geschwistern in den Korb und saugten sich an Jovi fest und später hoppelten auch die kleinen Pummelchen zu Bon in den Korb. Herumkreuchen konnten die Dicken auch schon früh. Sie plumpsten wie nasse Säcke aus ihrem Korb und wussten dann nicht weiter. Regelmäßig sammelte ich sie ein und legte sie zurück, weil sie in ihrer Orientierungslosigkeit zertrampelt zu werden drohten.
Kurt, der kleine Rote, war einfach der schönste von allen. Er war von einer sagenhaften Schönheit! Wirklich! Ich weinte genau zwei bittere Tränen, als wir ihn weggaben, weil er einfach zu aufgedreht war… ein richtiger kleiner Wirbelwind. Aber später sagte auch meine Mutter, dass wir ihn lieber hätten behalten sollen. Denn mit dem Alter kommt die Ruhe. Das wäre bei ihm genauso gewesen. Seinen neuen Besitzern entlief er sehr bald und verschwand spurlos.
Übrig blieben letztendlich Marmor und Crazy, Pitys Geschwister. Marmor hat an den Flanken so eine marmorierte Zeichnung. Sehr hübsch. Er hat auch ein mehr oder weniger weißes Gesicht und eine sehr, sehr rosa Nase, fast schon rot, darum nenne ich ihn „Clownskatze“, denn so sieht er einfach aus. Warum Crazy „Crazy“ heißt? Na ja. Sie hatte als kleines Baby eben diese Orientierungslosigkeit… sie lief mir in den Keller hinterher, wenn ich Futter raufholte, und wenn ich ihr entgegenkam, weil sie einfach langsamer war als ich, so ein kleines Tierchen, machte sie auf dem Absatz kehrt – sie sprang einfach rückwärts, drehte sich in der Luft und BUMM! natürlich genau gegen das nächste Regal. Sie fiel von Stühlen. Rannte gegen Tischbeine. Und schrie den ganzen Tag. Wollte uns irgendetwas erzählen, was ihr auf dem Herzen lag. Scheu war sie auch. Scheuer als je eine Katze von uns gewesen war. Sie bekam von einer anderen Katze eins auf die Nase, die Narbe hat sie bis heute noch, und flüchtete sich auf unseren Fünf Meter hohen Kirschbaum, der letzten Herbst dran glauben musste. Mein Bruder kletterte hinauf und rettete sie. Sie kratzte ihm aus Dank fast die Augen aus. Wir waren damals im Urlaub. Kaum war ich wieder daheim, zähmte ich sie und ab da durfte fast jeder sie streicheln. Sie war einfach durch und durch verrückt. Und ist es irgendwie heute noch. Jovi verabschiedete sich bald von uns und zog um. Ein paar Häuser weiter. Wir hörten nur noch ein einziges Mal von ihr, aber schafften es nicht, sie zurückzuerobern. So waren von den zehn Katzen nur noch drei übrig: Bon, Marmor und Crazy.
Crazy bekam wieder Babys, ein Jahr später. Die schönsten Babys überhaupt. Fee, Katze, Rasputin und Miss Bloomberg. Fee ist Ischas Katze. Die kleinste aus dem Wurf. Der Kümmerling. Das traurige Häufchen, das in der Ecke saß und den anderen beim Spielen zusah. Crazy bekam die Babys genau einen Tag nachdem ich vom Frankreichaustausch wiederkam. Ich wette, dass sie damit auf mich gewartet hat. Am o4.o5.2005, Bons zweitem Geburtstag.
Marmor. Er sagt nicht viel und verlangt nicht viel. Wenn ich hier am PC sitze, kommt er so gegen Nachmittag immer auf meinen Schoß gehüpft und legt seinen Kopf auf die Tastatur. Ich bette ihn dann auf den Tisch. Aber wenn ich weitertippe, drückt er seine nasse Nase gegen meine Hand und sieht mich aus seinen großen grünen Augen so bettelnd an – die Augen ähneln so sehr Jonnys, dass ich ihn auch in der Zeit nach Jonnys tragischem Tod manchmal aus Versehen so genannt hatte. Er läuft sehr langsam durch die Gegend. Trottet wie ein alter Löwe oder eben ein Hund. Wenn ich aus der Schule komme, rennt er oft mit mir nach Hause. Zwei Kurven weiter kommt er aus dem Gebüsch oder vom Acker hoch und trabt dann neben mir her. Wir werfen uns hin und wieder Blicke zu. Und es ist lustig, dann Menschen zu begegnen, mit einem Kater, der mir treu wie ein Hund hinterherläuft und sofort miaut, wenn ich mit der Zunge schnalze. Das Vieh ist der reinste Muskelberg. Und hat fast schon Tatzen.
Zu Miss Bloomberg kann ich noch sagen… sie wohnt bei meinem großen Bruder in Halle. Ein junger Mann, der dir was zu seiner Beziehung zu Katzen erzählen kann. Zu ihrem seltsamen Namen kam sie, weil sie neben ihren orange-schwarz.weißen (du hast vielleicht das Foto von Ischas Fee gesehen) ausgewaschen aussah. Als wäre die Farbe ausgegangen oder sie wäre mit Bleiche gewaschen. Grau-beige-weiß. Ich habe noch nie eine Katze von einer solchen Farbe gesehen. Mein Bruder wollte sie nach einem schwarz-weiß Fotografen benennen und er sagte kurzum: Bloomberg! Aber als er nachlas und feststellte, dass der Typ Blossfeld hieß, war es leider zu spät. Und da das Kätzchen aber ein Mädchen war, wurde „Miss Bloomberg“ draus. Sie hat wirklich wunderschönes Fell, fast genauso weich wie das von meiner Teddybon. Außerdem hat sie so lustige Zipfel an den Ohren, Wie ein kleiner Luchs oder ein Eichhörnchen. Voll süß! Sie kann auf zwei Beinen stehen und pinkelt in den Abfluss der Dusche. Manchmal trinkt sie aus der Toilette. Im Moment ist sie bei uns zu Besuch und wohnt im Bücherregal. Da sitzt sie die ganze Zeit drin, wenn sie nicht gerade Bon, Marmor oder Crazy terrorisiert. Jedes Mal, wenn man die Treppe rauf geht (unser Haus ist sehr offen und die Bücherregale stehen bis an die Decke) lugt sie aus dem Bücherregal hervor und knurrt. Was weiß ich, was sie in ihrer Höhle treibt. Mein Vater meint, sie würde die Philosophiebücher aus der zweiten Reihe in ihre Höhle schleppen und lesen und irgendwie kann ich mir das gut vorstellen. Hin und wieder sprint sie auf den Tasten des Klaviers herum und veranstaltet ein wunderbares Konzert.

Kassandra:
Zu ihr hatte ich damals eine ganz besondere Beziehung. Wenn ich auf dem Boden lag und sie sich dann auf meine Brust legte, dann war das ein besonderer Beweis ihres Vertrauens. Sie hatte auch eine unheimliche Geduld mit mir.
Katzen brauchen nicht viel. Sie können auch von Luft und Staub leben. Einmal dachten wir, Kassandra sei verschwunden. Aber sie lebte zwei Tage lang in eben einem dieser Bücherregale, in die sich die kleine Miss Bloomberg so gerne zurückzieht. Vermutlich hat sie dort die ganzen Spinnen gefressen. LOL. Am dritten Tag kam sie einfach miauend herausspaziert und wollte etwas zu fressen haben.

Jon:
Wie stark kann eine Katze sein? Und wie fest ihre Beziehung zu einem Menschen? Jon war der Bruder von Bon und Jovi. Als er das erste Mal starb, war er ein halbes Jahr alt. Das war der zwanzigste Geburtstag meines ältesten Bruders. Ein Auto überfuhr ihn. Mein Bruder stand am Straßenrand und sah es mit an. Aber anstatt liegen zu bleiben, sprang das Tier wieder auf und rannte in den Holzstoß der Eltern meiner Nachbarn, die am Ende unserer Straße wohnen. Mein Bruder klingelte und sie holten die Katze aus dem Stoß heraus und brachten sie zur Tierärztin. Sein Becken war gebrochen und die obersten Wirbel des Schwanzes zertrümmert. Er musste ruhen. Und er ruhte. Und da hatte ich das unheimlichste Erlebnis mit einer Katze überhaupt. Ich habe bis heute furchtbare Angst deswegen. Er lag in einem Wäschekorb in der Besuchertoilette. Wir hatten ein Gitter darüber befestigt, dieses Gitter, das man in den Backofen schieben kann. Damit er sich nicht aufrichten kann. Ich saß vollkommen fertig an dem Abend bei ihm im Bad und weinte, weil er so unglücklich aussah, gefangen in diesem winzigen Käfig. Als ich ging, schloss ich die Tür hinter mir. Die anderen beiden Katzen sollten nicht zu ihm rein, um ihn nicht unnötig aufzuregen.
Am nächsten Morgen kam ich die Treppe hinab. Schaltete das Licht im Flur an. Bon und Jovi liefen maunzend auf mich zu. Ich wollte gerade die zwei Stufen ins Wohnzimmer hinuntersteigen, da kam Jon unter dem Wohnzimmertisch hervor. Seine grünen Augen schienen mich zu durchbohren und zu glühen. Er humpelte. Sehr langsam. Auf mich zu. Die Tierärztin meinte, dass seine Knochen einen Tag nach dem Unfall höchsten leicht verknorpelt, auf keinen Fall aber wieder zusammengewachsen gewesen sein konnten. Ich wurde von Panik erfasst. Nach dem Tod unserer ersten Katze hatte ich einen furchtbaren Alptraum gehabt. Er bewegte sich genau so wie diese Katze in meinem Traum. Und öffnete sein Maul. „MIAU!“ Er forderte sein Essen, genau wie die anderen beiden auch. Tränen liefen meine Wangen hinab. Ich blieb zitternd stehen – und rief nach meiner Mutter. Was Besseres fiel mir nicht ein. Wie hatte er aus dem Korb hinaus, aus dem Bad hinaus, ins Wohnzimmer kommen können? War er, wie mein Siamkater früher, an die Türklinke gesprungen, nachdem er sich aus dem Gitterkäfig gequetscht hatte? Mit DIESER Verletzung? Ich kann mir das bis heute nicht vorstellen und es jagt mir noch kalte Schauer den Rücken runter. Was dieses Vieh durchgemacht hat, war einfach grausam. Es stellte sich heraus, dass sein gesamter Schwanz gelähmt war. Er wurde zunächst halb, dann ganz amputiert. Allerdings war auch sein Schließmuskel gelähmt. Und eigentlich hätte man ihn einschläfern müssen. Hätte die Tierärztin es früher gewusst, hätte sie es uns sofort geraten. Aber nach der zweiten OP und nachdem Jon sich so wacker gehalten hatte, wollten wir ihm das irgendwie nicht antun. Er war trotz allem ein so schönes Tier. Und so liebenswert. Er hauste zunächst nur in dem kleinen Besucherbad. Er lag in seiner eigenen Scheiße, weil sie aus ihm herausblubberte. Es war widerlich. Den ganzen Winter über quälte er sich. Mein Bruder Lucas kümmerte sich um ihn. Aber nicht wirklich zuverlässig. Trotzdem war er es, an den dieses Vieh sein Herz hängte. Und das meine ich auch so. Er hing an ihm. Und Lucas auch an Jon. Jonny. Jonny bekam immer leuchtende Augen, wenn er den Blondschopf sah und lief ihm hinterher wie Bon mir hinterherläuft. Der Frühling kam. Und es erleichterte uns die Sache mit Jonny. Denn so konnte er raus. Es wurde wärmer und wir bauten ihm ein Nest unter dem Carport. Dass er ständig mal wieder Kot verlor, machte nun nichts mehr aus. Er hatte auch keinen Durchfall mehr, denn das hatte es letztendlich unerträglich gemacht. Sein Hinterteil war immer etwas zurückgebildet, aber er hatte eine breite Brust und einen großen Kopf mit wunderschönen Augen. Der vordere Teil seines Körpers zeigte, was für ein wunderschöner Kerl er doch war. Ein wenig hatte er eine Statue wie ein Pitbull so ganz ohne Schwanz auch noch. Aber er fiel einmal vom Fensterbrett runter auf die Terrasse und auch ohne Schwanz auf die Beine. Es war fast perfekt. Aber gegen Ende des Sommers wurde er etwas kränklich. Meine Brüder fanden ihn schließlich tot – erneut überfahren und platt – vor unserem Vorgarten. Als ich an diesem Samstag Mittag nach Hause kam (ich war nachts lange in der Stadt gewesen und hatte bei Nina übernachtet), sah ich aus irgendeinem Grund runter in den Garten und sah neben Kassandras Grab einen neuen Grabhügel. Erst dachte ich, mein Vater hätte vielleicht nur Erde aufgeschüttet… aber wozu? Lucas sagte nur: „Jonny ist tot.“ Und ich sah den Schmerz in seinen blauen Augen. Weißt du Bo, auch Jungs haben enge Bindungen zu Katzen. Damit ich nicht sah, dass er weinte, ging er hinauf in sein Zimmer. Er wollte danach nie wieder eine Katze haben. Stattdessen hat er jetzt „Brutus“, seine Maus. (Die erste hieß Frodo und wurde von Kassandra gefressen, weil ich die Zimmertür hatte offen stehen lassen.)

Screamy:
Ich saß bei meinen Nachbarn auf dem Sofa. Ihr Kater – Screamy (kastriert) – lag auch da so rum... na ja, er ist halt nicht zu übersehen, so riesig wie er ist. Er streckte sich. Und plötzlich sprang er auf und rannte in die Mitte des Zimmers, von der aus er raus in den Flur sehen konnte. Er saß lange regungslos aber mit unglaublicher Körperspannung da und starrte durch die Tür in den Flur. Aber da war nichts. Gar nichts.
„Was hat er denn?“, fragte meine Nachbarin Jenny.
Und ich lachte und sagte ohne nachzudenken: „Katzen sehen Dinge, die wir nicht sehen. Andere Welten. Monster, die wir uns nicht mal träumen würden. Wer weiß, was da jetzt für ein Vieh in eurem Flur steht.“
Sie: „Ach darum guckt er nie mit uns fern! Das ist dem viel zu langweilig.“
Ich: „Bestimmt.“

Vincent:
Ähm. Ja. Vincent ist ja keine Katze, sondern mein kleiner Bruder. Als Nicos Wunsch nach einem Haustier erfüllt wurde und auf einmal ein kleines Kätzchen – Kassandra – in unserem Haus wohnte, war der kleine Vincent gerade mal drei Jahre alt. Vincent hasste Kassandra und Kassandra hasste Vincent. Er zog an ihrem Schwanz. Und einmal nahm er eine Gabel und jagte sie damit die Treppe hoch. Dafür zerkratzte sie ihm seine speckigen kleinen Ärmchen und sein süßes, rundes Gesichtchen. Ich weiß nicht, ob kleine Kinder und zickige Katzen ein so wunderbares Paar abgeben könne. Als der Zwerg dann älter wurde, hat er oft versucht, mit Kassandra Frieden zu schließen, weil sie auf ihn auch eine besondere Anziehung hatte...Aber sie hat ihm als Antwort immer eins abgezogen, weil er auch nicht so genau wusste, wie er sie hochheben und halten sollte.



PS:
Meine Mutter sagte, dass wir, sollte die Vogelgrippe kommen, die Katzen AUSsperren und nicht mehr ins Haus lassen. Ich glaube, es hackt.





Warum haben besonders Mädchen diese ganz besondere Beziehung zu Katzen? Warum gibt es keinen Jungen, der mit ähnlicher Begeisterung über diese einzigartigen Wesen spricht?

Zeit, diese faszinierende Welt zu betreten, die man nur mit Katzenaugen sehen kann.
19.6.06 09:39